Von Titeländerungen und einem hoffentlich nicht eingetretenen Schrockn

So, ich hoffe, die Projektnamenänderung war behutsam genug – mit Übergangszeit und allem – dass niemand einen Schrecken bekommen hat. “An Schrockn”, wie meine Oma sagen würde, was ich für ein wunderhübsches Wort halte – klingt ein bisserl nach einem Monster mit vier Hörnern und leuchtenden Augen. “Und dann lauerte im Wald der gräuliche Schrockn auf sie!”

… Wo war ich? Genau. Titeländerung. Die ganze Aktion heißt aus schon dargelegten Gründen jetzt “Mei ‘Wiener Blut’ is a Melange!”, weil der alte Name einfach zu missverständlich war. Gemeint war natürlich, dass jeder, der beim Blutspenden mein Blut bekommen wird, für mich ein Fremder ist: ich kenne seinen oder ihren Namen nicht, hab das dazugehörige Gesicht nie gesehen und war nie mit ihm oder ihr auf ein Tässchen Tee. Ein Fremder oder eine Fremde halt. Nichts könnt mir da wurschter sein als die ursprüngliche Herkunft dieser Person.

Blöderweise lässt sich der Titel auch als “Ich als edler Wiener geben mein Herzblut für die armen Ausländer her, auf dass die sich auch ein bisschen lieb gehabt fühlen, obwohl sie natürlich deswegen Fremde bleiben.”

Nicht lachen, so haben das wirklich einen Haufen Leute verstanden. Mea culpa, das hätt ich absehen müssen. Bevor wir jetzt mit jedem einzelnen eine kleine Semantikdiskussion führen und zu erklären versuchen, dass wir das Wort ‘Fremder’ nicht im strache’schen Sinn meinen, änderen wir lieber den Titel gleich.

Morgen früh wach ich dann wahrscheinlich auf und habe die ersten mails in der mailbox, die mir zu erklären versuchen, dass ich einem schweren medizinischen Irrtum unterliegen würde mit meiner dreisten und schlecht recherchierten Behauptung, der durchschnittliche Wiener hätte Milchkaffee in den Adern.

Well, that’s life.

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3 Antworten zu Von Titeländerungen und einem hoffentlich nicht eingetretenen Schrockn

  1. Dominik schreibt:

    Ich find den Namen immernoch passen, obwohl der alte Name (mit einer Portion gesunden “Wiener Schmäh” gelesen) natürlich treffender war. Sehn wir den Melange einfach als eine gute Mischung, aus den besten Kaffeebohnen erlesen, dann ist die Nachricht unmissverständlich. Mein Wiener Blut ist genauso eine Mischung vom Feinsten: Ein bisschen Tschech’, ein bisschen Ungar, ein bisschen Türk’, ein bisschen was auch immer. Was wichtiger ist als woher wir kommen, ist jedenfalls wohin wir gehen. In unserer Hand liegt es, ob wir fremdenfeindliche Parolen tollerieren oder ob wir klare Grenzen ziehen und deutlich machen, wenn diese überschritten werden.
    Ich finde deswegen, dass sich niemand, der bei dieser Aktion mitmacht, unterschätzen sollte, wenn wir nicht heute eine Grenze ziehen ist es morgen vielleicht schon zu spät…
    Nur ein paar Gedanken eines “Echten Wieners”…

    • sillysilentium schreibt:

      Schön wärs, wenn man den bisserl ‘Wiener Schmäh’ bei jedem Vorraussetzen könnt, der so in der Großen Weiten Welt ™ kommentieren darf… dann wär nämlich die ganze Aktion gar nit nötig, weil dass dann allgemein eine allgemein Grundintelligenz vorraussetzen würd, die solche Auswüchse wie die Herren Strache und Co von vornherein nicht zulassen würde. Drum bin ich völlig bei dir – irgendwo muss einfach die Zivilgesellschaft sich räuspern und sagen: “Hey, jetzt reichts aber. Da machen wir nicht mehr mit.”

  2. alfred wassermair schreibt:

    „Wer den Geist fürchtet, der redet vom Blut“
    ein Beitrag zur Diskussion ob man mit dieser Aktion die blauen Trolle füttert. ( oder Politpsychologie von Dummis für Dummis)
    In jedem von uns leben archetypische Figuren – der weise alte Mann/Frau, die gute Mutter, der Vater, der Märchenprinz, die Prinzessin etc. die uns unbewusst als Vorbild dienen, deshalb werden Kindern Mythen und Märchen erzählt, deshalb gehen wir ins Kino, ins Theater … daraus speisen sich ganze Kulturen. Diese Figuren in uns sind aber auch so etwas wie ein Initialzünder für bestimme Verhaltensweisen wenn sie angesprochen werden. (zb. in der Werbung: Was ist der Marlboro Mann anderes als der Märchenprinz, der einsam in die Welt hinauszieht um die schöne Prinzessin zu erobern und mit welch unglaublichem pecuniären Erfolg hat er das für Phillip Morris getan).
    Wenn nun jemand auf dieser Klaviatur spielt und sich geschickt zum jugendlichen Prinzen hochstilisiert, zum einzigen Prinzen, ( Che ) der gegen die dunklen Mächte auftritt, der mit seinem jugendlichen Elan die Bösen vor sich hertreibt, dann hängen nur all zu schnell an ihm die Hoffnungen und Träume von Jugendlichen, die dann nur mehr die archetypische Kraft dieser Figur sehen und die Inhalte die damit transportiert werden nicht mehr hinterfragen. Solche Leute reden von Blut und Boden und Ehre und Vaterland und Volkstum etc.., und sobald das in den Köpfen ist, ist dagegen mit rationalen Argumenten kaum noch anzukommen, weil es sich mit den Mythen und Märchen zu einem vermeintlich tiefen Gefühl verbindet. Darum muss man dem entgegentreten. Jetzt, Sofort.
    Da in jeder Gesellschaft eine gewisse Anzahl von Individuen existiert, die von irrationalen Ängsten beherrscht sind – sei es vor Spinnen oder kleinen Räumen oder vor dem Fremden – ist es für den Märchenprinzen einfach, diese Ängste zu instrumentalisieren, indem er sie verstärkt, indem er diesen Individuen eine ständige Bedrohung suggeriert, gegen die nur er mit seinen Werten als Retter auftreten kann. Damit hat man in der heutigen Mediendemokratie einen fixen und geschützten Arbeitsplatz im Parlament. Ist das aber Politik? Ist das ein Politiker? Nein natürlich nicht: Das ist jemand, der einen Politiker spielt, jemand, der mit einer gefälschten Eintrittskarte den Saal betritt und sein Publikum über seine wahren Absichten und Hintergründe und Hintermänner im Unklaren lässt.
    Die Hoffnung, dass so jemand alleine dadurch, dass man ihn ignoriert wieder von der Bühne verschwindet, hat sich mehr als einmal als Illusion erwiesen.

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